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Chronik
Der Ringkampf in Weißwasser
Sportgeschichte seit 1904
Nachdem Turnvater Jahn (1778-1852) zu Beginn des 19. Jahrhunderts die zur Wehrertüchtigung der Jugend gedachten Leibesübungen etablierte und damit auch den Gründungsboom von Vereinen einleitete, war es nur eine Frage der Zeit, wann sich in der aufstrebenden Industriegemeinde Weißwasser die ersten Turnvereine bildeten.
Der Ringkampfsport, bereits im Altertum Disziplin der olympischen Spiele Griechenlands, ist sicherlich eine der traditionsreichsten Sportarten und seit den ersten Spielen der Neuzeit 1896 wieder im Programm. Mit der Aufnahme in das Olympische Programm legte Coubertin (1863-1937) die Grundlage für die Entwicklung dieser Sportart, weil sie damit von nationalem Interesse förderwürdig wurde.
Als im Jahr 1897, Weißwasser hat noch keine 2000 Einwohner, der Arbeiter-Turnverein gegründet wird, dauerte es nicht lange bis der bürgerliche Männer-Turnverein entsteht. Bei wachsendem Interesse an körperlicher Betätigung beginnen in den Vereinen die Sportler sich zu spezialisieren. So verwundert es nicht, dass 1902 der Athleten-Club "Hansa" aus der Taufe gehoben wird, der ganz auf die Kraftsportdisziplinen ausrichtet ist.
1904
Um erfolgreich bei Wettkämpfen bestehen zu können, müssen die Trainingsformen stärker auf die sportartspezifischen Übungen ausgerichtet werden. Aus diesem leistungsorientiertem Anspruch heraus, bilden sich 1904 im Athleten-Club "Hansa" Abteilungen in den olympischen Disziplinen Boxen, Ringen und Stemmen (Gewichtheben).
Damit hat Weißwasser nun seine erste Ringerabteilung.
Eine Heimat haben die Vereine und damit auch die Ringer noch nicht. Die Sportler nutzen Räumlichkeiten in verschiedenen Lokalen und Gaststätten.
- Vereinslokal im Hotel "Zur Krone" (heute: "Kino")
- Vereinslokal im Hotel "Zum Kronprinzen" (heute: "Henry Bierstübel")
- "Friedenseiche"
- "Hohenzollernhof" (1905 abgebrannt, heute ist dort das Amtsgericht)
- Gasthof "Waldmannsruh" ("Zum Max", "Siezy")
- "Schützenhaus" (1904 eingeweiht, heute ist dort das BMW-Autohaus)
- "Vater Jahn" (VHS Weißwasser)
- "Schwarzer Adler" (heute ist dort der Busbahnhof)
- "Feldschlößchen" (heute ist dort die AGIP-Tankstelle)
1910
Durch Ansiedlung der Glasindustrie wächst Weißwassers Einwohnerzahl schnell auf über 10000. Als 1910 der bürgerlicher Kraftsportverein "Siegfried" gegründet wird, entsteht eine weitere Ringerabteilung in Weißwasser.
Die Ringer aus Weißwasseraner Vereinen gehören schnell zu den Besten im Gau Schlesien.
1914-1918
Erster Weltkrieg
1919
Nach Ende des Ersten Weltkrieges übernimmt 1919 Paul Mann die Leitung der Abteilung und das Training der Hansa-Ringer. Er selbst bleibt weiter aktiv und setzt so den Aufwärtstrend in Personalunion fort.
1922
Bei der Fusion mit dem bürgerlichen Männer-Turnverein 1922 muss der Arbeiter-Turnverein seinen Namen aufgeben, weil das von Graf Arnim geschenkte Sportplatzgelände im Norden der Stadt auf dem Namen MTV Weißwasser grundbuchmäßig eingetragen ist.
Bei den Ringern in Weißwasser setzt sich der Aufwärtstrend fort. Herausragend sind Robert Beier's Erfolge, der im Auswahlkader Schlesiens steht, Bundesringermeister sowie dreimal Schlesischer Meister ist.
1925
In Weißwasser besiegt am 17. Mai 1925 die Siegfried-Staffel die Riege der Hansa-Ringer bei einem Wettstreit des Landkreises Liegnitz. Zur erfolgreichen Mannschaft gehören die Sportfreunde Nickel, Leopold, Gallwas, Kirsch, Stange, Röhr, Halletz und Jung.
Im Juli 1925 startet Paul Mann bei der ersten Arbeiterolympiade in Frankfurt am Main.
1927
Die Sportler des MTV bauen 1927 in Eigenleistung die heutige Gaststätte "Turnerheim" neben einer als Turnhalle umfunktionierten Holzbaracke auf, die im Volksmund "Krähenschenke" genannt wird.
1930
1930 brennt Holzbaracke nieder. Die Brandursache bleibt ungeklärt.
Durch Spenden in Weißwasser ansässiger Firmen und der Sportler selbst beginnt der Neubau einer Turnhalle. Bis zur Einweihung 1933 unterstützen die Sportler des MTV mit Vereinsveranstaltungen und Arbeitseinsätzen die Finanzierung des Turnerheimanbaus, wie er heute noch steht.
In den drei Jahren Bauzeit weichen sie in das "Feldschlößchen" (heute steht an dieser Stelle die AGIP-Tankstelle) und das Kellergeschoss des Kulturhauses aus.
1931
Bei der zweiten Arbeiterolympiade 1931 in Wien erringt Hermann Bauschke einen 4. Platz. Er kämpft auch im Auswahlkader des Gau Schlesien.
Weitere Leistungsträger sind Max Smers, Walter Pabel, Hans Kraske und Karl Stemge.
1933
Mit der Machtübernahme der NSDAP 1933 beginnt in Deutschland die Enteignung der Vereine und die Gleichschaltung aller sportlicher Aktivitäten mit Ziel, die Wehrertüchtigung der Jugend sicherzustellen und politische Tendenzen in den Vereinen mundtot zu machen.
In Weißwasser wird der MTV in den Turn- und Sportverein (TSV) umgewandelt, der damit Eigner des Turnerheimgeländes wird. Die anderen Vereine werden aufgelöst.
Die Ringer sind gezwungen, Wettkampfbetrieb und das Training einzustellen. Bis 1933 leitet Paul Mann die Abteilung der Hansa-Ringer.
 
 
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